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« Private Haftpflicht: Wichtig genug, um zur Pflicht zu werden

Grobe Fahrlässigkeit: Hausrat und der Versicherungsschutz

9. Dezember 2014Seit der Einführung des neuen Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zum 01.01.2008 wird bei Hausrat- oder Wohngebäudeschäden der schuldhafte Anteil des Versicherungsnehmers berücksichtigt und es erfolgt eine Quotelung des Schadens.

Viele Verbraucher wissen nicht, wann die Versicherung die Leistung kürzen oder gar vollständig verweigern kann. Die Klausel „Einspruch grober Fahrlässigkeit“ kann in seltenen Fällen sogar individuell interpretiert werden. Das Problem: Grob fahrlässig herbeigeführte Schäden sind schnell passiert und niemand ist davor gefeit. 

  • Die Waschmaschine läuft noch, aber man verlässt das Haus (Leitungswasserschaden).
  • Die Kerzen auf dem Adventkranz brennen und man verlässt das Zimmer (Brandschaden).
  • Das Fenster ist gekippt und man verlässt übers Wochenende das Haus (Einbruch- und Diebstahlschaden).
  • Rauchen im Bett usw. 

Grob fahrlässiges Verhalten

Bei einfacher Fahrlässigkeit ist der Versicherer voll leistungspflichtig. Bei Vorsatz oder Arglist darf der Versicherer die Leistung komplett verweigern.

Eine Kürzung der Leistung im Verhältnis zur Ursache ist immer dann möglich, wenn Obliegenheitsverletzungen vorsätzlich verursacht wurden. Wie sieht es nun bei grober Fahrlässigkeit aus? Was ist der Unterschied zwischen einfacher Fahrlässigkeit und grober Fahrlässigkeit?

Nach dem Versicherungsvertragsgesetz unterscheidet man zwischen

  • § 28 VVG: Verletzung einer vertraglichen Obliegenheit

  • § 81 VVG: Herbeiführung des Versicherungsfalle

Unter vertraglichen Obliegenheiten versteht man Regeln und Pflichten des Versicherungsnehmers, die vertraglich vereinbart wurden und eingehalten werden müssen. Nur das garantiert den späteren Leistungsanspruch. Mit der Einführung des neuen Versicherungsvertragsgesetzes gilt ein abgestuftes Erstattungsmodell, das den Grad der Verschuldung des Versicherungsnehmers berücksichtigt. Hier besteht ein vollständiger Versicherungsschutz nur bei Vorliegen einer einfachen oder fahrlässig verursachten Obliegenheitsverletzung. Grob fahrlässig verursachte Obliegenheitsverletzungen sowie die sogenannte Herbeiführung eines Versicherungsfalles ziehen den Verlust des kompletten Leistungsanspruches oder eine Kürzung unter Berücksichtigung des Verschuldungsgrades nach sich.

Ein grob fahrlässig verursachter Schaden muss nach § 81 Abs. 2 VGG zumindest anteilig vom Versicherer ersetzt werden. Hier spielt die Schuld des Versicherungsnehmers aber eine entscheidende Rolle:

"Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen."

Unter „grob fahrlässig“ versteht der Gesetzgeber eine Missachtung der Sorgfalt in schwerwiegender Weise. Da dies eine Auslegungssache ist, kann es passieren, dass der Versicherer keine Leistung erbringt und sich auch nicht auf eine anteilige Leistungserbringung einlässt. 

Das rät der Honorarberater

Ein unabhängiger Honorarberater wird Verbrauchern immer eine Versicherungspolice empfehlen, die im Schadensfall auf den „Einspruch grober Fahrlässigkeit“ verzichtet. Denn im Grunde wird ein Versicherer immer versuchen, im Schadensfall keine Leistung erbringen zu müssen. Mit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz ist er zwar mindestens anteilig dazu verpflichtet, kann jedoch je nach Auslegung eben auch die komplette Auszahlung der Leistung verhindern. Hier hilft nur eine Versicherungspolice, die ein solches Vorgehen von vorneherein ausschließt.

 

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