Alle wollen Staatsanleihen

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Obwohl 85 Prozent aller deutschen Staatsanleihen derzeit negative Renditen aufweisen, findet die Finanzagentur in Frankfurt ständig neue Abnehmer. Als wichtiger Käufer zeigt sich dabei die Bundesbank, welche mittlerweile der größte Gläubiger des Staates ist.

Reibungslos ablaufende Auktionen

Die Finanzagentur macht sich als Schuldenverwalter der Bundesrepublik derzeit keine Sorgen um die negativen Erträge bei zehnjährigen Staatsanleihen. Dass mittlerweile 85 Prozent der Bundesanleihen (1.15 Billionen Euro) von negativen Marktzinsen geprägt sind, war für die Agentur eine vorhersehbare Entwicklung. Für sie ist einzig und allein wichtig, dass der Anleihenmarkt funktioniert und die Aktionen wie gewünscht ablaufen.

Zum Test am vergangenen Mittwoch stockte der Bund eine zehnjährige Anleihe mit vier Milliarden Euro auf. Der Nominalzins lag bei 0.5 Prozent, die Emissionsrendite wurde mit 0.13 Prozent beziffert. Dabei machte die Finanzagentur deutlich, dass es bei fünfjährigen Bundesanleihen keine negativen Zinscoupons geben wird, auch wenn es seitens der Technik möglich wäre.

Hohe Nachfrage

Wenn die Kurse bei Staatsanleihen steigen, deutet dies auf hohe Nachfrage hin. Gleichzeitig fallen die Renditen bei steigender Nachfrage in den negativen Bereich. Ein Hauptabnehmer ist derzeit die Bundesbank, die kauft Bundesanleihen im Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein weiterer Käufer ist die Schweizer Nationalbank, die versucht mit dem Erwerb deutscher Anleihen die Aufwertung des Frankens einzudämmen. Seit Anfang 2015 kauften die Notenbanken Europas für etwa 170 Milliarden Euro Bundesanleihen, während sich die asiatischen Zentralbanken von deutschen Festverzinslichen im Wert bei 60 Milliarden Euro trennten.

Der Staat profitiert vom Niedrigzinsniveau

Die Finanzagentur geht davon aus, dass deutsche Staatsanleihen zukünftig mehr inländische Käufer finden, der Anteil soll schon in wenigen Jahren bei 25 Prozent liegen. Von den aktuell niedrigen Zinsen profitiert der Bund bereits heute mit deutlich weniger aufwändigen Zinszahlungen bei den Staatsanleihen. Die Regierung musste vor zehn Jahren für den Kapitaldienst noch 40 Milliarden Euro ausgeben. Im laufenden Jahr plant der Bund lediglich knapp 24 Milliarden für Zinszahlungen ein.