Altersvorsorge in Schieflage: Lebensversicherungen

Altersvorsorge Finanzberatung Versicherungscheck

Die deutsche Altersvorsorge über Lebensversicherungen wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) gefährdet. Zudem sind etwa 80 Millionen Policen aufgrund zu niedriger Eigenkapitalausstattung der Anbieter in Schieflage. Sparer können kaum auf Hilfe vom Staat hoffen.

Lebensversicherungen bilden die Grundlage der privaten Altersvorsorge

In Deutschland gibt es bei gut 80 Millionen Einwohnern insgesamt 95 Millionen Versicherungsverträge, davon sind 80 Millionen kapitalbildende Vorsorgepolicen mit insgesamt 850 Milliarden Euro Guthaben. Bei etwa 90 Prozent aller Verträge garantieren die Versicherer schriftlich festgelegte Mindestzinsen. Dass die EZB mit ihrer Geldpolitik die deutsche Altersvorsorge in Bedrängnis bringt, ist hinreichend bekannt, weniger geläufig ist die unzureichende Ausstattung der Anbieter mit wirklichem Eigenkapital.

Nur knapp zwei Prozent Eigenmittel

Deutsche Anbieter müssen für alle kapitalbildenden Lebensversicherungen weniger als zwei Prozent ihrer versicherungstechnischen Bilanzsumme als Eigenkapital vorhalten. Den 850 Milliarden Euro Guthaben stehen demnach 16 Milliarden eigene Mittel gegenüber. Fände eine Bilanzierung nach Marktwert statt, würde sich die Bilanzsumme auf mehr als eine Billion Euro erhöhen und zur Aufstockung der Eigenmittel zwingen. Dies umgehen die Versicherer mit einer merkwürdigen Strategie.

Die eigenartige Behandlung der RfB

Deutsche Lebensversicherer greifen zur Erfüllung regulatorischer Vorschriften auf die Anwartschaften ihrer Kundschaft zurück und rechnen die RfB (Rückstellungen für Beitragsreserven) zum Eigenkapital. Die Beitragsreserven liegen derzeit bei 45 Milliarden Euro und sind damit drei Mal so umfangreich wie die effektiven Eigenmittel. Allerdings sind diese Gelder eine Überschussreserve, welche den einzelnen Lebensversicherungen zwar noch nicht zugeteilt sind, aber unbestritten den Versicherungsnehmern gehören.

Die Regulierer sorgen sich um die Anbieter und vergessen die Versicherten

Die EZB-Zinspolitik hat die zur Altersvorsorge abgeschlossenen Lebensversicherungen in Schieflage gebracht, die Versicherer sind jedoch aufgrund ihrer eklatanten Eigenkapitalschwäche für Einbrüche bei den Renten mitverantwortlich. Für Vertragsinhaber bedeutet dies, dass sie dem Effekt der Niedrigzinsen ohne Rückhalt ausgeliefert sind. Noch schlimmer: Die Regulierer fokussieren ausschließlich die Anbietersolvenz und sorgen somit dafür, dass das Zinstief bei den Versicherten in voller Härte zuschlagen wird.